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Lauscher auf dem Zeitfrei Festival

19. Juni|20:00 - 22:00

Lauscher (Waldzither, Stimme, Field Recordings) und Cumhur (Bağlama, Violine, Stimme), scheint mit jedem Saitenschlag in einem ungebändigt tanzenden Frohsinn aus Klang zu erstrahlen. Es entspinnt sich eine Bühne, groß und weit, ein sich selbst neu schaffendes Gemälde der Welt überquellend von Protagonisten und Erzählungen. Doch tatsächlich sind die Geschichten zutiefst niederschmetternd, finster, brutal. Sie zeugen von klaffenden Abgründen der Verzweiflung am Menschsein, dem unablässigen Tagwerk der organisierten Selbstentkernung im Tagebau für Ich-Denkmäler.

So steht das Bühnenbild nicht statisch hinter den Protagonisten, nicht vor dem Publikum, nicht auf irgendwelchen Brettern. Es hängt an den Mauern in den Seelen. Schauspieler sind wir, die wir tatsächlich überzeugt sind, statt aller anderen wirklich zu existieren, Kraft und Wirkung bleibend entfalten wollen. Das Bühnenbild, es ist aufgehängt an den Haken und Ösen der Gedanken, die wir nicht loslassen können. Es hängt an der Schuld, an den Lehren, an den Träumen und Überzeugungen, an unseren Vorfahren und denen, denen wir den Auftritt noch schenken wollen. Es kann nur so sein: Alle Mauern sind innen.

Aus Wound (Noise) strömt ein dunkles Schlaglicht über die Szenerien, die wuselnde Blendung für Augenblicke löschend. Unerbittlich schafft es Raum für das Heulen des ewig scheiternden Willens, dem stetigen Abfluss allen Wirkens in die entropische Kälte. Ein schwarzer Kegel durchfährt die Wahrnehmung, schlägt einen scharfen Kanal in das Konstrukt, wo die Sinne weiter hallen in der Eigenfrequenz des angeregten Gefühls. So reißt die Verkleidung um die eigentliche Schönscheinmaschine, vor der sonst jeden Tag der Weg mit einem Nicken beginnt, mit leeren Gesten gepflastert wird, bevor er endet mit dem Opfer des Verstands im blassblauen Feuer.

Über den malenden Wogen der Monotonie erspürt die Gänsehaut den feinen Flügelschlag des befreiten Ichs und sammelt das Momentum aus der Auslöschung heraus zurück auf die Bühne des Lebens zu treten und die Fröhlichkeit zu finden, deren Samen nur im Schmerz gedeihen, die Dichtung, die Weisheit und die reißende Zartheit über den Saiten und Zungen und das Tanzen um die Mauern herum.

Es lebe die Freiheit.

(Wound)

Details

Veranstalter

  • Kunstkitsch e.V.
  • E-Mail festival@zeitfrei-festival.de

Veranstaltungsort